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Kognitive Verhaltenstherapie ≠ Kognitive Verhaltenstherapie

Kognitive Verhaltenstherapie ist nicht gleich kognitive Verhaltenstherapie

Es gibt hier mehrer psychotherapeutische Strömungen, von denen die beiden einflussreichsten aus Amerika kommen: die KVT (Kognitive Verhaltenstherapie) nach Aaron T. Beck und die REVT (Rational-Emotive-Verhaltenstherapie) nach Albert Ellis.  


In Deutschland wird hauptsächlich der Ansatz nach Beck praktiziert. 

Warum das so ist, ist rein spekulativ. Vielleicht weil Deutschland universitärer geprägt und Beck Unversitätsprofessor ist und Ellis im Gegensatz dazu der praktische Psychotherapeut war, der sein Studium auf dem zweiten Bildunsgweg absolvierte und vorher als Kaufmann tätig war. 

Wissenschaftlich belegbar dagegen ist zumindest, dass die REVT effizienter sein könnte als andere Kognitive Verhaltenstherapien. Das zeigen neuere Analysen. (https://www.ret-revt.de/revt-kvt/)

Und obwohl Ellis nicht nur der erste Psyochologe war, der den kognitiven Ansatz ins Leben rief und auch die kognitive Wende der Verhaltenstherapie begründete, wurde seine Bedeutung von der deutschen Psychologie lange vollkommen unterschätzt. Er wurde beispielsweise nicht zitiert und in Lehrbüchern falsch dargestellt. 

All das könnte dazu beigetragen haben, dass die REVT in Deutschland, anders als in anderen Ländern weltweit, ein psychotherapeutischer Außenseiter ist. 

Aber was ist eigentlich der große Unterschied zwischen den beiden Therapiemethoden, wo sie doch beide zur kognitiven Verhaltenstherapie gehören? 

 

Beck (klassische KVT) stellt den Auslöser in den Mittelpunkt. Also unsere Interpretation einer Situation. 

Ein einfaches Beispiel: 

Situation: Kollege grüßt nicht 

-> Auslöser: „Meine Kollegen mögen mich nicht!“ 

Beck hinterfragt jetzt den Realitätsgehalt dieser Befürchtung: Wie wahrscheinlich ist es denn, dass keiner meiner Kollegen mich mag. 

Zudem korrigiert er die Generalisierung „Ein Kollege grüßt mich nicht -> alle mögen mich nicht" als falsch. 

Beck sagt, dass psychisch erkrankte Menschen nur einen Fehler in ihrerer Realitätsprüfung haben und ihre Welt verzerrt wahrnehmen. 

Klingt ja jetzt erstmal ganz gut und plausibel. 

 

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Aber was macht Ellis dann mit der REVT anders? 

Erst einmal etwas, was nach Beck total verrückt klingt: Er nimmt die vermeindlich verzerrte Wahrnehmung als gegeben hin. Er hinterfragt sie nicht. Er sagt: "Ja, es könnte sein, dass all ihre Kollegen sie nicht mögen.“ 

Er macht im 1. Schritt der Therapie nicht das Fass mit den Wahrscheinlichkeiten auf. 

Er sagt ganz klar, eine Interpretation bzw. Realitätswahrnehmung des Patienten kann richtig oder falsch sein. Beck sagt, sie ist falsch. 

Würde sich die Annahme des Patienten: „Keiner meiner Kollegen mag mich“ irgendwann als wahr erweisen, hätte der Patient spätestens hier wieder ein emotionales Problem. Denn egal wie unwahrscheinlich etwas ist, es ist nie ausgeschlossen, dass es eintreten kann. 

Also setzt die REVT an den Bewertungen des Patienten seiner Befürchtung an und nicht an der Befürchtung selbst (wie Beck). 

 

Der Patient lernt in der REVT 

a) dass ihn nicht alle Kollegen mögen müssen

b) dass es keine Katastrophe ist, nicht gemocht zu werden

c) er es aushalten kann, wenn ihn seine Kollegen nicht mögen würden

d) dass es nichts über in als Person aussagt, wenn seine Kollegen ihn nicht mögen würden 

 

Ellis nimmt also die Befürchtung des Patienten ernst und hinterfragt stattdessen seinen Umgang mit diesem Gedanken. 

Erst wenn der Patient a-d verstanden hat und für sich umsetzten kann, hinterfragt auch die REVT im 2. Schritt den Realitätsgehalt der Wahrnehmung des Patienten. 

Der Patient hat aber im Vorfeld gelernt emotional mit seiner Befürchtung umzugehen. Er ist also nicht mehr bzw. weniger verwundbar, falls sie tatsächlich eintritt. 

Man spricht bei der REVT deshalb auch vom eleganten Weg der Therapie.